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30.10.26

It ain't over till it's over #RockyDieLesung München im Oktober 2026

Wir waren in München. Jetzt ist schon Freitag. Aber frei nach Karl Valentin 'es ist alles schon gesagt, nur noch nicht von mir' und dem von Frau Kaltmamsell im Gehen über die Schulter gerufenen 'und bloggt darüber, gell' (sinngemäß) möchte ich auch noch ein paar Worte über dieses grandiose Wochenende verlieren.

Als die Bloglesung etwa im August angekündigt wurde, war ich sicher, dass es etwas Großes werden würde. Der Termin lag in unseren Herbstferien, es gab Urlaubswünsche bei der Restfamilie und verschiedene kollidierende Termine und Befindlichkeiten. Eine gewisse Entscheidungsschwäche (bei starkem Teilnahmewunsch) ließen mich trotz des Hinweises einer klugen Frau aus dem Internet 'mach einfach Pläne, die dazu passen' erst eine Woche davor entscheiden, dass ich fahre.

Nach Ankunft rollkofferte ich zum Hotel. Dort angekommen erhielt ich bald eine Nachricht mit einladenden Infos zum Mitkommen zur Stärkung mit Leuten aus der Gruppe 'Abendrunde'. Und so geschah es. Wir saßen sehr nett zusammen im Görreshof (schon wieder Karl Valentin) und stimmten uns auf den Abend ein. 


Dann gingen wir zum Boxwerk, waren etwas früh, aber das machte überhaupt nichts (also uns. Wir konnten noch letzte Generalprobenaktivitäten sehen und hoffen, nicht gestört zu haben). 

Drinnen fand ich schnell einen Platz bei Frau Herzbruch und konnte einige Bekannte herzen. Die Stimmung war sehr gut, die Getränke prima und schon ging es los. Die greatest Organisatorin of all times  Frau Klugscheisser (ich  bin ja eine Verfechterin des scharfen s, nicht zuletzt weil mein Geburtsname eines beinhaltet, aber was macht man da?) führte eloquent durchs Programm, ihre Flöteneinlage war hervorragend, die Klavierbeiträge herzerwärmend, und die vorgelesenen Stücke ein Genuss. Danke, dass sich die Vier (Mequito, Frau Kaltmamsell, Frau Novemberregen und Vanessa Giese)entschieden haben, mitzumachen, und uns mit ihren Texten zu erfreuen. In der Pause traf ich noch weitere Leute, die ich schon auf anderen Lesungen und re:publicas kennengelernt hatte, teilweise mit ParternInnen, sowie eine Teilnehmerin der Twitterkneipe, in der wir uns 2020 fast allabendlich online trafen, und stellte mich weiteren Menschen aus meinem Internet vor. Leider hatten einige TeilnehmerInnen der ebenfalls legendären Puschelparade absagen müssen, umso überraschender für mich war es, zwei, von denen ich nicht wusste, dass sie auch nach München gereist waren, wiederzuerkennen. Das war alles sehr schön.

 

Der zweite Teil war genau so unterhaltsam und mit viel Liebe zum Detail durchzogen. Die Idee mit den Klavierstücken fand ich wundervoll (ich schrieb es bereits, es war aber eben so toll), bitte noch einmal großen Dank an die Pianistin. Bewunderung an dieser Stelle für Frau Kaltmamsell, die die komplette Lesung über ihre Schwimmkappe aufbehielt, chapeau. Wie sich alle vorbereitet hatten. Hach.

Nach Abschluss der Lesung gingen wir wie erbeten leise zur Wirtschaft, wo wir in großer Runde zusammensaßen. Obwohl es kein Essen mehr geben sollte wurde für uns gesorgt und Brezeln und Obazda organisiert. Durch einen glücklichen Zufall saß ich dann neben einer Frau, die im erweiterten Kreis meines Internets präsent war, und durch das persönliche Kennenlernen flossen sehr viel Sympathie und überraschend viele biographische Parallelen zwischen uns. 

Bei der Verabschiedung noch ein paar Leute wenigstens kurz gegrüßt (es waren wirklich viele da) und dann trotz Vorbehalte die Chance zum Karaoke genutzt. Das kostet ja immer Überwindung, und obwohl es einen drive Ordner mit Songs gibt, kann ich oft keine Lieder aussuchen (wie soll das auch gehen, wenn gerade andere Songs laufen?) Nicht jede ist so ein Goldkehlchen wie Frau Novemberregen, gegen Ende wären Sprechgesänge gerne genommen worden, aber weder cake noch Thomas D (Rückenwind) oder  'wir rufen Dich Galaktika' von Dota Rehr waren im Repertoire der Bar. Das macht naürtlich gar nichts, es war toll, dass so viele mitgekommen sind und meine Chorleiterin sagt immer, wer sprechen kann kann auch singen (nun).

 

Die Gruppe reduzierte sich noch einmal zahlenmäßig, und einen kleinen Absacker in einer Münchner Bar wollte ich auch gerne noch nehmen. Wir wurden von einem netten Taxifahrer hingebracht, und der Türsther erklärte uns sehr fürsorglich wie wir die Getränkebons einsetzen sollten (kauft kein Bier, da macht Ihr Minus) Danke, ich habe keine Sorgen vor dem Älterwerden wenn sich so gekümmert wird. Oder vielleicht doch, denn in der Bar wurde ich dann von einem Jungspund angesprochen, ob wir uns ein Getränk (Wodkabull) teilen könnten. Mein letzer Barbesuch liegt schon ein Weilchen zurück, ich habe mich möglicherweise nicht ganz richtig verhalten, als ich sagte 'es wird dich überraschen, aber ich trinke kein RedBull'. Sugarmommy wollte ich auch nicht werden.

Auf der Fahrt zum Hotel noch die neue Freundin abgeliefert, wieder ein netter Taxifahrer (Franke) und dann gegen drei ins Bett.

Ein paar Stunden später wurde ich unsanft ohne Wecker von frischem Zigarttenrauchgeruch geweckt, darauf hätte ich gerne verzichtet. Aber so war ich wach und konnte mich nicht allzu verspätet zu den anderen zum Frühstück gesellen. Es waren sehr nette und anregende Gespräche in vertrauter Atmosphäre über alles.

Zwar hatte ich Schwimmzeug einpackt, dass es für einen Lerchenschwumm nicht reichen würde war schnell klar, aber das Dantebad wollte ich doch gerne erleben und Vanessa gab mir die richtigen Tipps. Nach der Verabschiedung der Rhein/Main Reisenden  überlegte ich bei Nieselwetter und fühlte mich nicht imstande, weitere Feuchtigkeit in Badekleidung zu ertragen und das klammnasse Gefühl mit nach Hause zu nehmen. Wie gut, dass es das Lenbachhaus gibt. Dort verbrachte ich dann den Nachmittag, ließ mich durch die Ausstellung treiben, begeisterte mich einmal mehr für museale Räume und die Wandfarben, das Werk von Etel Adnan ('ich musste nicht mehr auf französisch schreiben, ich malte einfach auf Arabisch'), die Abwaschskulpturen von Nicole Wermers (Teile der Ausstellung 'shifting the silence') und Fotografien von Gabriele Münter (und den Shop).

 

Im Restaurant habe ich einen Snack genossen und dann kamen noch Frau und Herr croco auf einen Kaffee, wir hatten einiges zu besprechen und es freute mich sehr, dass die beiden mich zum Bahnhof begleiteten.

Pünktliche Abfahrt um 17 Uhrund. Fast pünktliche Ankunft. (Die Hinfahrt war übrigens trotz Sturmnacht und anders angegebener Infos in der App incl. aufgehobener Zugbindung ebenfalls fast pünktlich. Deshalb sag ich's extra)

Die Atmosphäre der Zugfahrt passte genau zu meiner Stimmung. Etwas angemüdet, erschöpft, aber erfüllt, der Nachklang. Wenig los, keine Aufgeregtheiten, ein bisschen lesen, ein bisschen stricken, dabei im Dazwischen schon ans morgen denken und zur Einstimmung 'Songs In The Key Of Life' hören (das Konzert von Stevie Wonder am Montag in Köln, eine weitere once in a life(time) experience). Kein Menschenkater, eine beruhigende Zufriedenheit, das Gefühl, bei etwas Tollem dabeigewesen zu sein. Die Gewissheit, davon noch einige Zeit zehren zu können und anstehende Herausforderungen so gestärkt angehen zu können.

 

Was bleibt? vielleicht eine Binsenweisheit. Es war so harmonisch, nett und zugewandt weil alle freiwillig gerne gekommen sind um zusammen zu sein. Es gab natürlich ein vorsichtiges Abtasten mit Leuten, die man nicht persönlich kennt. Aber es ist ja durch die jahrelange Kommunikation miteinander klar, dass es einen Grundkonsens gibt, und so keine doofen Überraschungen in weltanschaulichen Dingen droht. Das schafft Vertrauen und eine ruhige fröhliche Atmosphäre, die die ganze Zeit spürbar war. Und wie sehr wir das brauchen gerade jetzt. Auch deshalb war dieses Wochenende so wertvoll. (Bubble, Schmubble. Menschen it is.)

Wie großartig, Euch tollen Internetmenschen getroffen zu haben, vielen vielen Dank noch einmal allen Beteiligten, Aktiven und vor allem natürlich Frau Klugscheisser, die uns zusammengebracht hat. 


 

 


It ain't over till it's over #RockyDieLesung München im Oktober 2026

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