Der Nachbarin Frau Z. drei Häuser weiter zum 92. Geburtstag gratuliert. Früher immer tipptopp, jetzt den Umständen entsprechend. Lebt nur noch im Erdgeschoss, aber wenigstens das ist möglich. Krankenbett im Wohnzimmer, Kaffeetafel für nachmittags ist schon gedeckt (ich erinnere mich: bei vielen wurde der Tisch schon nach Möglichkeit am Vorabend gerichtet. Mir schien das immer verfrüht, aber inzwischen denke ich ebenfalls, was man hat das hat man. Muss ja nicht jeder noch den Tisch decken wenn es gleich klingelt)
Ihrer Nichte (77) ist jetzt der Mann weggestorben, hat aber wenigstens noch einen anhänglichen Sohn (55), der jeden Tag zum Essen kommt. Alle anderen Verwandten tot, besonders schmerzt das Fehlen des Lieblingsbruders, der neben ihr wohnte. Dessen Frau ist im Sommer ebenfalls gestorben. Wahrscheinlich die Hitze. Sie hatte einen Vertrag mit der Sparkasse, die hat sich also um eine anonyme Bestattung gekümmert, mit Asche verstreuen. Das haben sie ausgemacht und so wird es auch mit Frau Z gemacht, ist ja keiner mehr da. Früher, da kam manchmal noch der Sohn einer Cousine vorbei, die wohnen in Bayern, der hatte mit Lampen zu tun und konnte es dann so einrichten, dass er sie besuchte und eine Nacht blieb, aber das wurde aufgegeben und für einfach so ist Bayern zu weit weg. Früher, da wussten man, alle bleiben zusammen und man war einfach bei der Familie dabei. Auch die mit Behinderung. Die Familie B am Ende der Straße (was war das immer für ein Durcheinander bei denen!) die hatten ein Töchterchen, die kam immer, jeden Tag stand sie an der Tür, was wohl aus der geworden ist. Wahrscheinlich haben sie sie dann ins Heim gegeben und da wird sie dann gestorben sein. Na ja, man kann ja, man kann ja auch nicht einfach so fragen, was ist denn aus Eurem Rutchen geworden. Nach einem Sturz wurde Frau Z in der Reha eine Pflegestufe empfohlen, damit verlor sie ihr Anrecht auf einen Platz im Augustinum und so ihren Plan für ihre Zukunft. Da sitzen sie also, unsere Alten, in ihren Häusern und Wohnungen, und warten auf den Tod. Sie konnte schon immer auch alleine sein, das komme ihr jetzt zugute.
„Wenn was ist rufen Sie an, unsere Nummern haben Sie ja!“ sagen wir, oder fordern sie auf. Den genauen Wortlaut ihrer Antwort weiß ich nicht mehr, ich fühlte mich ertappt. Selbstverständlich wird sie nicht anrufen. Wenn wir helfen wollen, müssen wir es konkret anbieten, alles andere ist Pseudo.
J hat einen Stern gefaltet, den werden wir vorbeibringen. Wenigstens.
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#wmDedgT Oktober 2024
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