Frau Brüllen fragt das Internet ‚was machst Du eigentlich den ganzen Tag?‘ und wir beantworten das am 5. jeden Monats mit dem Hashtag #wmDedgT
Wie wieder reinkommen?
Es gibt hier und da die fast flehentliche Bitte, wieder (mehr) zu bloggen. Und Himmel, wie gern würde ich!
Was hatte ich nicht für Vorsätze!
Es gibt so viele Dinge zu berichten, jedoch sind die meisten nicht besonders, auch nicht besonders schön.
Es gibt ja so viele tolle Blogs, die alles so viel besser beschreiben, in Worte fassen, ihren Stil gefunden haben. Ich bin hier nur eine weitere mittelalte weiße Frau, die Dinge entschieden hat, die sich nicht hochglanzbroschürig und instagramabel darstellen lassen.
Wir sind umgezogen, und zwar 500 Kilometer weiter südlich. Das ist sehr viel Arbeit und sehr viel Umstellung, quasi Kulturschock, einfach ist es nicht.
Auch und gerade nicht für unsere Teenagertöchter. Und natürlich werden auch generelle Fragen berührt.
Nun sind wir sechs Monate fast ein Jahr hier und es ist klar, dass es keinen fröhlichen Neuanfangskontent geben wird. Kein daily unser fröhlicher Weinberg (das war angedacht).
Vielleicht ist es also doch besser, mit einem #wmdedgT zu beginnen, immerhin ist auch etwas passiert. Ein 'was bisher geschah' oder 'was hast Du eigentlich die ganze Zeit gemacht' folgt eventuell. Der Wille ist da.
Juli also schon.
Aufstehen fällt immer schwerer, wir sind, wie man so schön sagt, durch. In unserem ehemaligen Bundesland sind die Ferien in vollem Gang, Urlaubsfotos überall, und die Reiseziele erst! Hier werden im letzten Abschnitt vor Notenschluss vier Arbeiten pro Woche geschrieben, man wundert sich.
Zwei Kaffee müssen mir aufhelfen, dann mache ich mich fein, Offizielles steht an. Aber zuerst bringe ich die Töchter auf den Weg. Das Wetter ist kühl und regnerisch, ich packe vorsorglich ein Ersatzpaar Schuhe ein.
Der Mann ist zu Hause, letzter freier Tag. Mein Termin ist um 9, ich habe eine Stunde totzuschlagen, in der letzten Zeit habe ich mir angewöhnt, solche Stunden wenn möglich nicht zu verplanen sondern so zu vertrödeln, dass ich pünktlich kommen kann. Während ich so auf dem Parkplatz rumdaddle fällt mir auf, dass ich doch noch ein Schriftstück dabeihaben sollte. Die Bestätigung, das erweiterte Führungszeugnis beantragt zu haben nämlich. Also nochmal zurück in die Wohnung. Von dort im strömenden Regen zum Termin. Ich unterschreibe einen Arbeitsvertrag. Halbe Stelle, vormittags, Ferien frei. Bisschen viel Fahrerei vielleicht, mal sehen. Ich werde es probieren und freue mich auch etwas. Das Ganze dauert 50 Minuten, ich werde zu diesem und jenem belehrt und informiert. Die Unterschrift dann dokumentenecht.
Danach kaufe ich für warmen Kartoffelsalat mit Bohnen ein.
Kurzes Frühstück mit dem Mann. Trotz der vorgerückten Zeit beschließen wir, in die Stadt zu fahren und wenigstens mal was zu machen. Es gibt immer was zu tun, aber meine freien Vormittage sind ja jetzt gezählt. Also ins Augustinermuseum.
Die
Kolonialismusausstellung habe ich ja leider 'verpasst', jetzt
Sehnsuchtsort Italien. Ich genieße sehr die Ausblicke, die Atmosphäre,
überraschende Perspektiven, Ruhe und stilsichere Museumseleganz. Leider
reicht es nur für einen Kurzbesuch, Motto wie immer besser als in die
Luft gepfiffen, dann noch ein Erfrischungsgetränk am Bächle,
Töchterabholung.
Es
gibt noch Käsespätzle vom Vortag, dann wird die Küche mal richtig
geputzt (Grund ist Frust) und aufgeräumt. Das nimmt der Mann zum Anlass,
wacklige Schiebeleemente in Angriff zu nehmen.
Ich
setze mich auf den Freisitz, versuche mich über
Zusatzversorgungskassenfragen zu informieren, telefoniere mit meinen
Eltern, es geht um Absprachen für's Wochenende, ich werde über das
Sterben in der erweiterten Nachbarschaft informiert (in die damals neu
konzipierten Siedlung sind eben alle mehr oder weniger gleichzeitig mit
ähnlich alten Kindern gezogen, der Generationenwechsel ist in vollem
Gange) suche Adressen für Überraschungspakete heraus, wähle ein Gericht aus der Speisekarte für Samstag, hänge zwei
Wäscheständer voll Klamotten ab, verräume einiges davon, nehme mir vor
zu bügeln und dabei das Lesedingsbuch zu hören, aber die Zeit reicht
nicht mehr. Dazwischen Fragestellungen zu Parabeln und Muffinrezepten.
Die
Vermieterin leiht sich das Auto wegen Anhängerkupplung, dabei lerne
ich, dass ich mich für Taylor Swift Karten an der falschen Plattform
angemeldet habe, nämlich bei ihr (also Taylor Swift, nicht der
Nachbarin. Richtig wäre eine Anmeldung auf der Ticketplattform gewesen.
Das bringt mich ins aktuelle Politikgeschehen, Stichwort
zweihunderdreiundvierzig Millionen, ich schreibe das aus damit es
angemessen viele Buchstaben sind, wegen der Dimension, eventim erhält
davon auch einen Teil wie ich auf der Seite der tagesschau
erfahre, wie soll man da, Siewissenschon.) Dass wir so aber keine
Konzertkarten erhalten werden ist dennoch sehr bedauerlich. Etwas
Eskapismus wäre wünschenswert.
Kurzer Plausch mit der Nachbarin, dort lasse ich zu viele Informationen. Schlecht.
Weil Mittwoch ist und ich und meine Stimme wiederhergestellt gehe ich zum Chor. Zum ersten Mal mit dem Flitzerad (bin bei Stadtradeln angemeldet und wurde darauf hingewiesen, dass unsere Kilometerzahl uns im hinteren Drittel rangieren lässt. Das kann ja nicht so bleiben). 8 Kilometer einfach, das ist gut zu machen, zumal topfeben. Auf dem Rückweg dann doch kurzer Halt fürs idyllische Foto.
Der Mann hat Pizza gebacken, danach noch ein nächtlicher Spaziergang mit der Tochter.
Weil der Tag und Abend noch nicht enden soll folgt ein kleiner Plausch auf der Terrasse mit dem Mann.
Um eins falle ich ins Bett.